Der perfekte Garten

Was ist ein perfekter Garten? Für die meisten Gärtner steht an erster Stelle der absolut von Unkraut (Wildpflanzen) freie Garten. Nicht ein Gänseblümchen auf der Rasenfläche, Löwenzahn geht auch nicht, bis in die letzte Gartenecke wird alles getan, dass keine Wildpflanze eine Chance hat. Kaum ein Gärtner hat die Zeit auf natürliche Weise (in Handarbeit) den Garten frei von Wildpflanzen zu halten, so werden Unmengen von Unkrautvernichter in Form der Chemiekeule eingesetzt. Selbst beim Einsatz von biologischen Mitteln schließt das nicht aus, dass der eigene Grund und Boden Stück für Stück verseucht wird, die Betonung „Der eigene Boden wird verseucht“. Stoffe die nicht im Boden verbleiben und landen im Grundwasser, da diese Mittel (auch biologische) auf Grund der hohen Konzentration sich schlecht abbauen, landen diese dann im Trinkwasser.

Ein perfekter Garten ist in den meisten Fällen frei von Laubgehölzen, schließlich fallen nicht nur im Herbst die Blätter vom Baum, im Frühjahr und Sommer fallen die Blüten und Blütenblätter ab und bei längerer Trockenheit ist nicht auszuschließen, dass normale Blätter von den Laubgehölzen fallen und ein Blatt auf dem Boden, geht überhaupt nicht. In den perfekten Garten gehören ein paar Koniferen, eine Sichtschutzhecke (ebenfalls aus Koniferen) und neben dem perfekten Rasen noch ein paar Blumenkübel mit einigen Sommerblühern. Dazu noch die gepflegte Sitzecke mit Grill, den gepflegten Pool der um richtig „In“ zu sein natürlich zur Hälfte aus dem Boden herausragen muss und den Kunstteich dessen Folie bzw. Festkörper ebenfalls was den Boden und Uferbereich betrifft sichtbar sein muss, dass auch jeder Gartenbesucher sieht, es handelt sich nicht um ein Feuchtbiotop sondern um eine Darstelltung: Wie gestaltet man mit Kunststoff ein naturfeindliches Objekt.

Gibt es den perfekten Garten?

Einen perfekten Garten gibt es nicht, es wäre ja schlimm, wenn jeder Gartenbesitzer den selben Geschmack haben würde. Es sollte allerdings nicht jede Modeerscheinung in die Tat umgesetzt werden, so wird vermieden, dass der Garten wie ein Prospekt mit Sonderangeboten eines Baumarktes aussieht. Vor allem sollte vermieden werden, dass ein Garten den anderen ähnelt, wie man es in unzähligen Reihenhaussiedlungen (moderner Begriff für Reihenhaus ist Stadthaus) und neu gebauten Einfamilienhaussiedlungen zu finden ist. Viele dieser Siedlungen sehen einfallslos aus, als ob den Hausbesitzer die Kreativität ausgegangen ist.

Ein Garten sollte immer den eigenen Vorstellungen entsprechen und auf keinen Fall die Kopie von Nachbars Garten sein. Es ist schon traurig genug, wenn bei der Planung von Baugebieten Straßenbepflanzungen von Bäumen nicht mehr vorkommen oder wie in früheren Zeiten der in Siedlungen übliche Ententeich. Wenn es einmal zu Baumpflanzungen kommt, handelt es sich um Züchtungen von Minibäumen wie auf einer Eisenbahnplatte.

Etwas Perfektion bekommt man in den Garten wenn der größte Teil des Gartens den Standortbedingungen angepasst ist und nur 1/3 mit nicht zum Standort gehörigen Pflanzen bzw. Bäumen bepflanzt wird. Ein Garten der eingebettet von Laubgehölzen und naturnaher Landschaft passen keine reinen Koniferenpflanzungen, gegen 1/3 wäre nichts einzuwenden.

Wie müsste der perfekte Garten aussehen?

Ein Durcheinander, einer gesunde Mischung von gewünschter Perfektion bis hin zu unberührten Naturbereichen nur in Kleinformat, wobei der perfekte Bereich so klein wie möglich gehalten werden sollte. Der unberührte Bereich in einem herkömmlichen Garten kann aus Platzgründen sich nicht selbst überlassen werden. Er würde in einer Natur unüblichen Form verwildern, da an der Grenze des Gartenzaun Schluss mit Natur ist. Eine naturnahe Selbstregulierung würde zu lange dauern, um ein Gleichgewicht der verschiedenen Pflanzen zu erreichen. Auf Stickstoffreichen Boden würden jahrelang nur Brennnesseln wuchern, was einer Monokultur gleichkommen würde.

Das Eingreifen bezieht sich auf das Reduzieren der Nesseln auf ein Minimum, so können sich andere Wildpflanzen konkurrenzlos zur Brennnessel entwickeln. Nach zwei bis drei Jahren haben sich die Nesseln wie von selbst reduziert, allerdings versuchen immer wieder andere Pflanzen die Oberhand zu gewinnen. Wieder ist das Eingreifen nötig, allerdings werden die Zeiträume des Eingreifens immer weniger und reduzieren sich bis auf einmal im Jahr, wenn überhaupt, je nach Witterungseinflüsse auch mehrere Jahre. In der ersten Zeit zieht solch ein entstehendes Biotop zwar noch unansehnlich aus, wird aber mit der Zeit immer besser und kommt damit dem naturnahen Raum immer näher und wird damit zum Rückzugsgebiet vieler Schädlinge und ihrer Fressfeinde (Nützlinge).

Der perfekte Garten

Es ist besser, die Schädlinge toben sich im naturnahen Bereich aus, als im Kulturpflanzenbereich. Der naturnahe Bereich funktioniert durch Selbstregulierung, sämtliche Nützlinge nutzen solch Biotop wie eine Futterkrippe. Der Vorteil kommt auch den Nutz- und Kulturpflanzen zu Gute, auf den Weg zur Futterkrippe kümmern sich die Nützlinge auch um die Schädlinge an den anderen Pflanzen. Der perfekte aufgeräumte Bereich mit perfekten kurzgeschorenen Rasen sollte natürlich nicht mit Giften behandelt werden, Gifte töten nicht nur die Schädlinge sondern auch die Nützlinge. Bei GartenBob.de findet man in der Kategorie „Initiative 2 x 2 Meter“ genügend Tipps, oder man gibt unter „Suche“den gewünschten Suchbegriff, wie zum Beispiel „Feuchtbiotop“ oder „naturnah Gärtner“ ein und findet eine Vielzahl von Informationen. Es gibt nur einen Nachteil (oder auch nicht), ein naturnaher perfekter Garten sieht nicht ganz so aufgeräumt auf wie der herkömmliche perfekte Garten. Für etwas mehr Unordnung im Garten wird man durch viel mehr Tiere und blühenden Pflanzen entschädigt, der Garten wird absolut frei von Giften.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Tolle Gärtnerseite! Ich bin gerade dabei einen scheußlichen Koniferen-Garten, der steril wie ein OP-Saal ist, in ein Paradies für Bienen, Insekten, Schmetterlinge, Vögel, Eichhörnchen, Igel usw. zu verwandeln. Die Erfolge waren sofort sichtbar. Die Tiere danken es und ich habe meine Freude daran. Der Einzige Bereich, der hier tadellos sauber sein muss, ist der „Pool“ für die Vögel!
    Ich werde hier immer fündig, wenn es ein Problem zu lösen gibt. Danke dafür!

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