Was ist Totholz?

Abgestorbene Bäume oder Teile davon wie Äste und Zweige. Unterteilen kann man das Totholz in stehendes Totholz, Trockentotholz, Bäume die abgestorben sind aber stehenbleiben. Auch Abgetrocknete Äste an Bäumen werden als Totholz bezeichnet. Weiter werden herabgefallene Äste und umgefallene Bäume als liegendes Totholz bezeichnet. Wenn das Holz mit der Zeit anfängt zu modern trifft die Bezeichnung Moderholz zu. Sträucher und deren Teile die abgestorben sind zählen auch zur Kategorie Totholz.

Das Totholz als Lebensraum

Totholz bietet einer Vielzahl von Organismen Lebensraum, diese haben sich angepasst und sind wichtiger und vor allem notwendiger Bestandteil um das biologische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Abhängig von der Größe, der Art und den Stand des Verrottungsprozess sind an die 1400 Käferarten und ca. 600 Pilzarten an der Zersetzung des Holzes beteiligt. Pilze und Insekten sind von einander Abhängig, die Insekten übertragen die Sporen der Pilze und Pilze sind ebenfalls die Nahrungsquellen einiger Käfer sowie deren Lebensraum. Nicht zu vergessen sind die kaum zählbaren Mikroorganismen die ebenfalls ihren Beitrag leisten das natürliche Gleichgewicht aufrecht zu erhalten.

Eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen die auf den Lebensraum „Totholz“ angewiesen sind, stehen auf der Roten Liste und sind vom Aussterben bedroht.

Der Lebensraum Totholz mit den vielen Insektenarten, Flechten,Farne, Moose und Pilzen ist eine ökologische Nische. Die Mehrzahl von Wespen- und Bienenarten sind auf das Totholz regelrecht angewiesen. Auch für ca. 25 % der Käferarten ist das Totholz in den verschiedenen Zerfallsstadien Lebensgrundlage.

Welche Tiere an welchem Holz?

Das Leben im Totholz ist vielfältig, wenn es auch auf den Ersten Blick nur wie ein angegammeltes Stückchen Holz aussieht. Wer auf die Suche nach Tieren im Totholz ist sollte behutsam vorgehen. Wer unter die Rinde oder diversen Holzstücken sehen möchte sollte diese vorsichtig anheben bzw. auseinander drücken um hinterher alles wieder verschließen zu können. Zwar sieht es aus als ob genügend Totholz herumliegt, was aber ein Irrtum ist. Es wird in unserer Kulturlandschaft noch viel zu viel aufgeräumt, der Lebensraum Totholz muss erhalten bleiben.

  • Asseln – Totholz ist für die Asseln ein perfekter Lebensraum.
  • Baummarder – Baumarder nutzen verlassene Spechthöhlen.
  • Blindschleichen – überwintern in Baumhöhlen die sich in Bodennähe befinden und nutzen diese als Nistplatz.
  • Bockkäfer – benötigen Laubgehölze.
  • Borkenkäfer – als Wirtspflanze dienen holzartige Gewächse.
  • Buntkäfer – findet man in Holzabfällen sowie im Komposthaufen.
  • Dungmücken – ihre Larven entwickeln sich in modrigem Totholz.
  • Eichhörnchen – nutzen Baumhöhlen als Schlafplatz und zur Aufsucht ihrer Jungen.
  • Erdkröten – nutzen das Totholz als Versteck und Winterquartier.
  • Europäische – Sumpfschildkröten nutzen Totholz in der Nähe von Gewässern.
  • Feuerkäfer – befinden sich im Totholz unter der Rinde, die Larven der Feuerkäfer jagen die Borkenkäfer.
  • Fichtenbock – seine Larven entwickeln sich in Fichten und Kiefern.
  • Fledermäuse – nutzen verlassene Spechthöhlen als Sommer- und Winterquartier.
  • Fledermausarten – Großer Abendsegler, Fransenfledermaus, Bechsteinfledermaus, Braunes Langohr, Wasserfledermaus
  • Gemeiner Fichtensplintbock – die Larven entwickeln sich in Fichten und Kiefern.
  • Gnitzen – im modrigem Totholz entwickeln sich die Larven.
  • Haarmücken – die Larvenentwicklung findet in modrigem Totholz statt.
  • Hausbock – sein Lebensraum ist im trockenen Fichtenholz.
  • Hirschkäfer – bevorzugen Laubgehölze, die Larven entwickeln sich an alten morschen Wurzeln von Ulmen, Obstbäumen, und Eichen.
  • Holzbienen – in trockenen leicht morschem Totholz legen sie ihre Brutzellen an und überwintern im Holz.
  • Holzfliegen – ernähren sich im Holz von Würmern und Larven.
  • Hornissen – leben in Baumstümpfen und abgestorbenen Holzstämmen.
  • Hummeln – leben in Holzstämmen und Stümpfen.
  • Kleine Waldameisen – siedeln ausschließlich im Totholz.
  • Kreuzotter – nutzt in Bodennähe befindliche Baumhöhlen als Nistplatz und Winterquartier.
  • Marienkäfer – nutzen das Totholz als Winterquartier.
  • Mauerbienen – haben ihre Nester in den Ritzen und verlassenen Gängen anderer Insektenarten.
  • Molche – finden unter dem Totholz ein ideales Winterquartier.
  • Moosschimmelkäfer – ist an schimmelnden Hölzern zu finden.
  • Moschusbockes – die Larven leben in Weichhölzern.
  • Mulmbock – sein bevorzugter Lebensraum sind Baumstümpfe von Kiefern und in höheren Lagen an Tannen und Fichten.
  • Nashornkäfer – findet man auch im Komposthaufen und anderen Holzabfällen.
  • Prachtkäfer – ihre Larven leben in Nadelhölzern.
  • Raufußkauz – nutzen Baumhöhlen als Nistplatz.
  • Runzelkäfer – die Larven leben in Nadelhölzern.
  • Salamander – Totholz bietet Schutz und wird als Jagdgebiet genutzt.
  • Scheinbockkäfer – und die Larven findet man in fast jedem Totholz, ebenfalls in verholzten Pflanzen und Treibgut.
  • Siebenschläfer – nutzen Baumhöhlen als Nest- und Schlafplatz.
  • Schnecken – nutzen das Totholz als Lebensraum.
  • Spechte – bauen ihre Bruthöhlen in morsches Holz alter Bäume.
  • Sperlingskauz – nutzen Baumhöhlen als Nistplatz.
  • Spinnen – das Totholz ist für Spinnen ein perfektes Jagdgebiet und bietet gleichzeitig Schutz vor Feinden.
  • Springschwänze – nutzen das Totholz als Lebensraum.
  • Staubläuse – befinden sich unter der Rinde, an Baumstämmen und Totholz.
  • Tummelfliege – ihre Larven leben und ernähren sich im Totholz.
  • Waldkauz – nutzen Baumhöhlen als Nistplatz.
  • Waldeidechsen – nutzen das Totholz als Tagesversteck und Winterquartier.
  • Wespen – bauen ihre Nester in trockene Hohlräume alter Bäume und benötigen auch das Holz zum Nestbau.
  • Wildbienen – leben in Baumstümpfen und Holzstämmen.

Totholz im eigenen Garten

Totholz oder Totholzhaufen gehören in jeden naturbewusst gepflegten Garten. Auch für sehr ordnungsliebende Gärtner, die nicht dulden das auch nur ein einziges Blatt am Boden liegt gibt es die Möglichkeit Totholz in den Garten zu integrieren. Etwas abseits der Sichtflächen wie im Bild 1 nur einen Baumstamm ablegen und der Lebensraum Totholz nimmt seinen Lauf.

Was ist Totholz

Wer nicht ganz so pingelig ist und für die Natur ein bis zwei Quadratmeter über hat, kann die Fläche mit kleinen Hölzer und Wurzelreste auffüllen, Bild 2.

GartenTotholz

Stehendes Totholz wie im Bild 3 zu sehen ist in unserer Kulturlandschaft selten anzutreffen. Der Kirschbaum auf dem Bild dürfte niemanden stören obwohl er nicht in die Denkweise vieler Menschen passt.

Totholz

Dem Bauern ist ein Dank auszusprechen, dass der Baum auch ohne Blätter noch steht. Auch in einem herkömmlichen Garten kann ein eingegangener Baum stehenbleiben, so lange die Standfestigkeit gewährleistet ist. Besteht die Gefahr des umfallen, kann der abgesägte Baum als liegendes Totholz weiter genutzt werden. So lange der Baum seine Standfestigkeit hat kann er als Rankhilfe für Kletterpflanzen oder Stangenbohnen genutzt werden.

Alte Bäume und Totholz im Wald und in Parklandschaften

Totes Holz und alte Bäume sind ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems. Das Totholz ist die Lebensgrundlage abertausende Arten von Tieren, Flechten, Moosen, Pilzen und anderen Pflanzen. Etwa 6000 Arten ca. 1/5 der Tiere und Pflanzen im Wald sind auf die Nahrungsquelle und den Lebensraum Totholz angewiesen. Durch das ständige (unsinnige) Aufräumen im Wald, in Parks und Gärten entsteht ein Mangel an Totholz. Dieser Mangel bedroht die biologische Vielfalt und die Regulationsmechanismen im Ökosystem Wald, Park und Garten.

Wie viele Gefahren gehen vom Totholz aus?

Für den Wald, Park und Garten besteht keine Gefahr dort kann es nicht genügend Totholz geben. Im öffentlichen Verkehrsraum besteht natürlich die Gefahr für Leben und Gesundheit. Totholzäste die den öffentlichen Verkehrsraum ragen müssen natürlich durch Baumpflege entfernt werden. Auch wenn von privaten Grundstücken Totholz in den öffentlichen Verkehrsraum ragen müssen diese im Rahmen der „Verkehrssicherungspflicht“ entfernt werden. Um sich auf privaten Grund, wie Wald, Park und Garten vor Schadensersatzansprüchen zu schützen können Schilder aufgestellt werden wie „Betreten und Befahren auf eigene Gefahr. Wer sich abseits von Wegen im Wald oder Parks bewegt macht dies auf eigene Gefahr. Es bestehen „waldtypische Gefahren“ (wie bei Steinschlag, oder das Versacken in Sumpf- oder Moorgebieten).

Ist Totholz ein Zeichen von Unordnung?

Nein, weder der Wald, Park oder Garten ist vernachlässigt oder unordentlich. Es ist gerade umgekehrt, der aufgeräumte Wald, Park und Garten zeigt an das Natur – feindlich vorgegangen wird. Der aufgeräumte Wald, Park und Garten entzieht einer Vielzahl von Lebewesen die Lebensgrundlage.

Der Borkenkäfer Forstschädling Nummer 1?

Wer sich Totholz und Totholzhaufen in den Garten holt braucht keine Angst vor dem Borkenkäfer haben, im Totholz sind genügend Fressfeinde die den Käfer und seine Larven bekämpfen. Er wird nur zum Schädling wenn eine Massenvermehrung auftritt und dies kommt nur in aufgeräumten Monokulturwäldern vor. Wenn man durch eine regelrechte Holzproduktionsstätte Wald spaziert findet man vor allem in angelegten Nadelgehölz – Wäldern die Bäume in Reihe und Glied gepflanzt. Die Bäume stehen eng aneinander um schnell in die Höhe wachsen zu können und dadurch wenig große Äste am Stamm haben. Solche Anpflanzungen der Holzbauern sind ein wahres Paradies für die Borkenkäfer.

Wo findet man Totholz?

Totholz findet man überall wo Bäume stehen und niemand aufräumt. Selbst an Straßenrändern und an Parkplätzen liegen abgebrochene Äste. Es müssen auch nicht große Baumstämme sein um einen Totholzhaufen zu bauen dickere Äste erfüllen den Zweck auch. Wer einen Kamin besitzt benötigt Brennholz, es dürfte nicht ins Geldgewicht fallen ein paar Holzscheite im Garten aufzustapeln, um etwas für das natürliche Gleichgewicht zu tun. Wird frisches Holz verwendet dauert es eine Weile bis diese zum Biotop Totholz werden. Wenn natürliche gewachsene Hölzer nicht zum Garten passen, da der Gärtner der Meinung ist, diese sehen zu unordentlich aus, können auch bearbeitete Balken und Bretter aufgeschichtet werden. Diese dürfen nur nicht mit Holzschutzmitteln behandelt sein. Je nach Standort- und Witterungsbedingungen wird auch aus neuem Holz der ideale Lebensraum für Totholzbewohner.

Totholz ein Vorteil für den Garten

Viele Totholzbewohner unternehmen regelrechte Ausflüge wenn sie auf Nahrungssuche gehen. Diese vertilgen eine Vielzahl von Schädlingen im Garten. Wahre Wunder sollte man nicht sofort erwarten mit einem Totholzhaufen ist das natürliche Gleichgewicht nicht sofort wieder hergestellt. Ein sehr aufgeräumter Garten in dem keine Brennnessel stehen darf und jedes Gänseblümchen auf der Rasenfläche bekämpft wird, jedes einzelne Blatt was herunterfällt sofort entsorgt wird und Kunstdünger sowie Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden ist ein wahres Paradies für Schädlinge. Nur wenn der gesamte Garten naturnah gestaltet ist stellt sich das natürliche Gleichgewicht wieder ein. Der gesamte Garten wird zum Biotop.

Schreibe einen Kommentar