Wenn Vögel gegen Scheiben fliegen? – Erste Hilfe

Es kommt schon einmal vor, dass sich im Garten ein Vogel verirrt und gegen eine Fensterscheibe des Hauses fliegt. So lange dies nicht regelmäßig geschieht, sollte man sich über die Ursache keine Gedanken machen. Die Ursachen können sehr vielfältig sein, gerade im Frühling wenn die Frühlingsgefühle der Vögel erwachen und die Männchen sich um die Vogeldamen streiten, kann es schon einmal öfters vorkommen, dass sich ein Vogel verirrt und gegen eine Fensterscheibe knallt.

Eine weitere Ursache ist das plötzliche Auftauchen eines Greifvogels, der Instinkt der Vögel lässt diese in alle verschiedenen Richtungen auseinander fliegen, um den Angreifer zu verwirren. Wie im Fall unserer Meise die sich unter das Vordach der Terrasse rettete und dann gegen die Scheibe knallte, ein Falke der seit kurzem, scheinbar sein Revier über unseren Garten ausgedehnt hat. Allerdings zum Zeitpunkt des Unfalls der Meise war dies noch nicht bekannt, erst nach längerer Beobachtung des sonstigen Treibens der Vögel wurde der Falke entdeckt.

Wie kann man feststellen, ob es sich um Greifvögel oder andere Feinde handelt?

In einem ordentlichen naturnahen Garten finden sich in der Regel immer die selben Vögel ein, da diese im Winter ihre festen Futterstellen oder im Sommer ihre Nester in der Nähe haben. Diese Vögel flattern in einer Regelmäßigkeit durch den Garten, treten Gefahren auf, ist ganz plötzlich kein Vogel mehr zu sehen und es stellt sich eine plötzliche Ruhe (was das Gezwitscher betrifft) ein.

In den seltensten Fällen sind die alltäglichen Verhaltensweisen des oder der Gartenbesitzer die Ursache, zwar fliegen die Vögel fort, wenn die Kinder durch den Garten toben, sind aber bei nächster Gelegenheit wieder da. Bei plötzlicher Ruhe kann man sich umschauen (auch in Richtung Himmel) und nach der Ursache suchen. Ob es Nachbars Katze oder ein Greifvogel ist lässt sich feststellen. Bei größeren Greifvögeln wie Bussarde reagieren die kleinen Piepser selten, sie wissen, dass die größeren Greifvogel eher Interesse an einer Maus als an einem kleinen Vogel haben und großen Vögel haben in einem bepflanzten Garten keine Chance, sie würden bei der Spannweite der Flügel überall anstoßen.

Etwas anders sieht es aus, wenn sich Sperber, Habicht, Falke oder Rohrweihe in der Nähe von Gewässern aufhalten. Diese Greifvögel können problemlos durch Geäst bzw. die Rohrweihe durch Röhricht (Pflanzen die sich im Flachwasser bzw. Uferbereich befinden wie Schilfrohr, Rohrkolben, Igelkolben, Gräser und noch eine Vielzahl anderer Pflanzenarten die Nasse Füße vertragen) fliegen.
Hauptfeind der Vögel?

Der Mensch, der vor allem mit Unkrautvernichtungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel die Nahrungsgrundlage der Vögel vergiftet. Es ist unnötig gegen Schädlinge chemische Kampfstoffe einzusetzen, dieses Problem regelt die Natur in einem naturnahen Garten selbstständig. Bei GartenBob.de in der Kategorie „Schädlinge & Krankheiten“ unter „Maden und Raupen an Obstbäumen“ findet man die nötigen Informationen.

Weitere Ursachen

Bauliche Veränderungen an Gebäuden können ebenfalls dazu beitragen, das Vögel gegen Scheiben fliegen. Vögel haben durchschnittlich immer den selben Rhythmus, fliegen entsprechend des Sonnenaufgang bzw. der Abenddämmerung immer im gleichen Revier zu ihren Futterplätzen. Wenn die jungen Vögel schlüpfen ändern die Altvögel ihr Verhalten, da die Küken abgesehen von ein paar Schlafpausen am Tag rund um die Uhr Hunger haben. Wird im Revier der Vögel ein Gebäude gebaut oder angerissen, müssen die Vögel ihre Fluggewohnheiten ändern, was ebenfalls dazu führen kann das Vögel gegen Scheiben fliegen. Noch gravierender ist das Fällen eines Baumes, da dieser sehr oft als Ansitz der Vögel genutzt wird. Von Bäumen starten die Vögel ihre Futtersuche und ziehen sich zum fressen dahin zurück, fehlt dieser Baum dauert es eine Weile bis sich die Vögel auf die neue Situation eingestellt haben.

Ausnahmen

Es gibt Dinge bei denen man erst einmal nicht weiß, wie es zu Situationen kommt, dass eine Vielzahl von Vögeln versucht, einen Anflug auf ein Gebäude zu nehmen. Im Garten kann man bauliche Veränderungen wie sehr hohe Gebäude ausschließen, bei denen eine sehr hohe Gefahr besteht, das Vögel gegen Scheiben fliegen. Wir haben ein Anbaugewächshaus im Retro-Stil gebaut, mit dem Ziel der Nachhaltigkeit wurden so viel wie möglich schon einmal verwendete Materialien verwendet.

Stützen, Träger, Scheiben, Verkleidungen, Steine und sonstiges Material wurden so weit wie möglich ohne zusätzliche Behandlung verarbeitet. Neue Materialien wie Holz wurde unbehandelt oder max. mit werksseitiger Imprägnierung verbaut. Die Bauweise wurde im Stil einer geschlossenen Veranda (Bild 1) gebaut. Schon bei Baubeginn nahmen Vögel Anflug auf die alten Stützen und Träger, als Dach dienen alte Holztüren, die alte Bauweise und die sich daraus ergebenen Nischen, Balkenvorsprünge und die verschiedenen Hölzer scheinen die Vögel magisch anzuziehen.

Wenn Vögel gegen Scheiben fliegen 1

Selbst der offene Teil der Veranda mit einem neuen Kunststoffdach wird angeflogen und als Sitzplatz genutzt. Hingegen dem modernen Baustil der auf Grund seiner Bauweise keinem Vogel eine Möglichkeit gibt einen Sitzplatz, geschweige eine Nistmöglichkeit zu errichten bietet. Woran es genau liegt lässt sich wohl nie genau feststellen, dass es am Material und der Bauweise liegen muss ist gewiss. Im gleichen Bauzeitraum wurde auf dem Nachbargrundstück eine neue Veranda gebaut, im ganz moderner Bauweise mit neuen Materialien, einen Vogel hat man dort noch nicht gesehen. Ein Vorteil hat die moderne vogelfeindliche Bauweise, es gibt keine kleinen Verunreinigungen durch die Vögel.

Wie kann man verhindern, dass die Vögel gegen die Scheiben fliegen?

Im Gartenbereich muss man nicht unbedingt wie an einer Bußhaltestelle „Schwarze Vögel“ ankleben. Dies ist wohl die primitivste Art, um zu verhindern, dass die Vögel gegen die Scheibe fliegen. Um die Spiegelung in der Scheibe zu verhindern kann schon eine große Blumenvase oder ein Zweig, der ein Teil der Scheibe bedeckt ausreichen. Im Durchschnitt fliegen die Vögel nur Scheiben an, an denen keine Gardine (Store) die Scheibe bedeckt. Die Hauptanflugzeit der Vögel gegen Scheiben ist die Balzzeit, danach haben die Vögel keine Zeit mehr.

Nach dem Nestbau und dem Brüten steht die Versorgung der Jungvögel im Vordergrund. Eine weitere Möglichkeit ist das Anbringen einer Jalousie, die muss nicht gleich das ganze Fenster bedecken, ein Stück heruntergelassen, kann den Vogel schon abschrecken. Probieren geht über studieren, oft reicht schon eine Veränderung aus und es kommt zu keinem Fensteranflug.

Unser neues Retro- Gewächshaus zog unentwegt einen Buchfink an, dieser muss in der Spiegelung einen Konkurrenten gesehen haben. Neben dem ständigen hin- und herlaufen auf dem Fensterbrett nahm er ständig Anflug gegen die verschiedensten Scheiben. Mehrere Versuche ihn zu vertreiben schlugen fehl.

Erst einmal wurde ein Blumentopf gegen die Hauptanflugscheibe gestellt, hat gewirkt, aber nur bei der einen Scheibe. Das Herablassen der Jalousie brachte auch nur eine kurzzeitige Wirkung, der Vogel fand immer wieder eine Anflugstelle. Es bliebe nur noch die Möglichkeit, die Scheiben mit Vorhängen abzudecken, was bei einem Gewächshaus mit jungen Pflanzen nicht gerade angebracht ist, da diese sehr viel Licht benötigen. Abhilfe hat ein stark verzweigter Ast (von außen) gebracht, der Fink unternahm keinen Anflug mehr. Unerklärlich, der Zweigt bedeckte nur einen Fensterabschnitt, der Fink hätte wie beim Blumentopf eine andere Scheibe wählen können, hat er aber nicht.

Nicht zu wissenschaftlich vorgehen

Vögel nehmen Transparente und reflektierende Glasflächen kaum wahr, so werden diese auch nicht als Hindernisse erkannt. Was den Gartenbereich betrifft sollte man nicht zu wissenschaftlich vorgehen, sollte es zu einem dauerhaften Anflug auf ein Fenster kommen, sollte man etwas dagegen tun. Man sollte sich den Zeitpunkt der Anflüge merken, die Glasflächen werden je Sonnenstand unterschiedlich angestrahlt, so lässt sich feststellen, wann das Fenster mittels Jalousie oder Gardine abgedunkelt werden kann, dies wäre die einfachste Möglichkeit. Weiter können Blumenampeln sowie Dekorationselemente verhindern, dass die Vögel gegen die Scheiben fliegen.

Was tun, wenn der Vogel herunterfällt und am Boden liegenbleibt?

Bleibt der Vogel am Boden wie tot liegen, sollte man diesen nicht sofort beerdigen. Es kann sein, dass dieser in eine Art Schockzustand verfallen ist, dieser Zustand kann bis zu 2 Stunden anhalten, ist der Vogel erkennbar tot, kann dieser natürlich sofort beerdigt werden. Wenn man sich nicht sicher ist sollte der Vogel behutsam hochgehoben werden (Bild 2), in der Hand lässt sich der Vogel genauer betrachten.

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Hat der Vogel den Schnabel geöffnet (Bild 2) kann man erkennen wie dieser noch atmet. Bei kleinen Vögeln kann man nicht mehr tun als diese in ein Körbchen (Bild 3) oder andere Behältnisse (Pappkarton) zu legen, ungeeignet sind Behälter aus Metall, selbst bei eingelegten Tuch kühlt der Vogel aus.

Wenn Vögel gegen Scheiben fliegen 3

Falsches Mitleid ist unangebracht, auf alle Fälle sollte der Vogel aus seiner natürlichen Umgebung herausgebracht werden, dass Körbchen sollte vor Katzen sicher abgestellt werden. Auf keinen Fall sollte der Vogel in einen geschlossenen Raum gebracht werden, vor allem wenn der Temperaturunterschied zwischen Freiraum und Zimmer sehr groß ist. Wer genügend Zeit hat oder sich in der Nähe aufhalten kann, kann den Vogel beobachten. Stellt sich der Vogel auf die Beine (Bild 3), ist dies ein Anzeichen, dass der Vogel sich erholt hat. Mit etwas Geduld kann man Starthilfe leisten, einfach auf die flache Hand (Bild 4) setzen und der Vogel wird in kürzester Zeit abfliegen (auf keinen Fall in die Luft werfen).

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Was tun bei sichtbaren Verletzungen?

Hat der Vogel einen gebrochenes Bein oder Flügel, kann man nur abwarten, ob er trotz Verletzung wieder losfliegt, schließlich können wir den Vogel nicht röntgen und es könnte sich nur um eine Verstauchung handeln. Mit Meise, Schwalbe, Fink und Co einen Tierarzt aufzusuchen dürfte keinen Sinn haben, man kann es versuchen, in den meisten Fällen sind die Heilungschancen gleich null. Ist keine Verbesserung des Zustandes des Vogels erkennbar, sollte man der Natur den lauf der Dinge überlassen. Der Vogel kann in einem dichten Bewuchs ausgesetzt werden, den Rest der Dinge erledigt sich von selbst, egal ob wir glauben in alles eingreifen zu können, in diesem Fall können wir es nicht.

Keine erkennbaren Verletzungen

Es ist zu erkennen, dass der Vogel noch atmet, aber selbst nach längerer Zeit nicht mehr auf die Beine kommt. In diesem Fall kann der Vogel innere Verletzungen haben, auch hier kann man dem Vogel nicht helfen, Aussetzen wie bei erkennbaren Verletzungen wäre eine Möglichkeit. Stellt man sich die Frage, ob man dem Vogelleben ein Ende setzen soll oder dies von der Natur erledigen zu lassen, steht im eigenem Ermessen.

Fehler die man nicht machen sollte

In den meisten Fällen ist der Schnabel des Vogels offen, was aber nicht heißt, dass dieser Hunger oder Durst hat. Auf keinem Fall sollte man versuchen dem Vogel Futter oder Wasser einzuflößen, es besteht Erstickungsgefahr. Der Vogel sollte so wenig wie möglich berührt werden, es könnten weitere Verletzungen entstehen. Sind Kinder anwesend, wollen diese den Vogel durch Streicheln trösten. Der Vogel braucht aber absolute Ruhe, die Kinder sollten zu ihrer Beruhigung den Vogel einmal vorsichtig streicheln (leicht über das Federkleid). Die Kinder sind beruhigt und der Vogel hat seine Ruhe. Einer regelmäßigen Sichtkontrolle ob es dem Vogel wieder gut geht oder er sich schon auf den Flug gemacht hat, steht nichts entgegen.

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