Wie fällt man einen Obstbaum?

Ein Baum fällen, ob es sich um einen Obst- oder jeden anderen Baum handelt, sollte wohl überlegt sein. Erst einmal braucht ein Baum viele Jahre um seine stattliche Größe zu erreichen, weiter bietet ein Baum unzähligen Tierren einen kaum zu ersetzenden Lebensraum. Für uns Menschen sind Bäume wichtig, sie produzieren Sauerstoff und binden CO² und spenden Schatten. Bäume sind unerlässlich als Lebensraum und dabei spielt es keine Rolle, ob ein Baum in einem Garten oder in der freien Natur wächst.

Tiere können alle teile des Baumes nutzen, Vögel bauen ihre Nester in den Kronen (in Obstbäumen selten). Pilze, Insekten und Höhlenbrüter nutzen die Rinde und den Stamm. Früchte, Blüten und Blätter sind die Nahrungsgrundlage für andere Tiere, selbst wenn diese bereits als Laub auf dem Boden liegen. Durch die hohe Anzahl an Insekten kommt der Baum auch als Nahrungsgrundlage für Tiere in Frage, die sich nicht direkt vom Baum ernähren. Eidechsen oder auch Frösche können indirekt vom Baum leben. Ein abgestorbener Baum dient als Wohnraum und Futterquelle, stellt ein abgestorbener Baum keine Gefahr dar, sollte dieser nicht entfernt werden, Totholz bietet zusätzlichen Lebensraum, Käfer, Spinnen, Asseln, Hundert – und Tausendfüßer und anderes Kleingetier, Pilze und Moos fühlen sich auf bzw. im Totholz wohl.

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Auch ein Apfelbaum (Bild 1) steckt voller Leben, bis zu über 300 Tierarten nutzen einen Apfelbaum als Lebensraum und Nahrungsquelle. Im Frühling wenn der Baum blüht, tummeln sich Hummeln, Bienen und andere Insekten an den Blüten. An den Früchten die auf den Boden fallen, erfreuen sich Wespen, Fliegen, Asseln, Schnecken, Stare, Amseln und Igel. Schmetterlinge saugen den gärenden Saft vom Fallobst und die Erdkröten kommen um die Schnecken zu fressen. Vögel wie Kleiber, Stare, Spechte, Meisen, Gartenbaumläufer und andere Vögel mehr ernähren sich von Larven, Puppen und anderen Getier, vertilgen dabei eine Vielzahl von Schädlingen und tragen zum Erhalt des biologischen Gleichgewicht im Garten bei, ein Garten ohne eine große Anzahl von Vögeln und Insekten ist ein toter Garten.

Vor dem Fällen

Es sollten einige Fragen beantwortet werden:

  • Ist der Baum krank oder zu alt und trägt keine Früchte mehr? Hier steht dem Fällen des Baumes nichts entgegen.
  • Kann der Baum nicht als Schattenspender stehenbleiben?
  • Stört das Laub im Herbst? Einen Baum fällen nur weil er im Herbst seine Blätter abwirft und diese zusammen geharkt und kompostiert werden müssen, ist das Allerletzte, hier zeigt sich der „Absolute Naturfeind“. Informationen über die Nutzung von Laub findet man bei GartenBob.de in der Kategorie „Allgemeines“ unter „Laub das Gold des Gartens“, sowie in der Kategorie „Gemüsegarten“ unter „Laub sinnvoll nutzen“.
  • Ist der Baum zu groß geworden?
  • Kann man durch Rückschnitt den Baum erhalten?
  • Steht der Baum bei baulichen Veränderungen im Weg? Auch hier steht dem Fällen nichts entgegen.

Vor dem Fällen

Die Fallrichtung muss festgelegt werden, dabei ist die Kronenlast zu beachten, der Baum kann auf einer Seite mehr Gehölz und somit mehr Gewicht auf dieser Seite haben. Beim Fällen sollte das einseitige Gewicht beachtet werden, selbst wenn die Fallrichtung durch ein Zugseil beeinflusst werden kann, kann der Baum sich durch das ungleichmäßige Gewicht beim Fällen verdrehen. Um Schäden an anderen Bäumen, Pflanzen oder Gebäuden zu vermeiden, sollte geprüft werden, ob nicht durch vorheriges entfernen der übergewichtigen Äste der Baum ins Gleichgewicht gebracht werden sollte.

Welche gesetzlichen Vorschriften sind zu beachten?

Laut Bundesnaturschutzgesetz (BnaSchG) ist das Fällen von Bäumen in der Zeit vom 1. März bis 30. September verboten. Obstbäume in Haus- und Kleingärten sind nicht vom Verbot des § 39 BNaSchG erfasst, soweit diese nicht Brut oder Nistplätzen geschützter Arten dienen. Alle anderen Bäume unterliegen dem § 39 des BNSchG und bedürfen einer Fällgenehmigung, diese erhält man bei der zuständigen Behörde im Amt (Rathaus).

Arbeitsschutzvorschriften sind im privaten Bereich nicht gesetzlich geregelt, allerdings muss bei Unfällen und dabei entstandenen körperlichen Schaden eine Unfallversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung nicht unbedingt zahlen, schließlich hat man bewusst auf Schutzmaßnahmen verzichtet, gleichzusetzen wie beim Fahren unter Alkohol oder Drogen, man hat sich schließlich mit Absicht in Gefahr gebracht.

Arbeitsschutz beim bedienen von Kettensägen

Jedermann kann eine Kettensäge kaufen und benutzen, dabei spielt es keine Rolle, ob Sachkenntnis im Umgang mit einer Kettensäge vorhanden ist. Ein Kettensägeschein ist im privaten Gebrauch nicht erforderlich, solange man auf seinem eigenen Grundstück bleibt. Auf keinem Fall sollte man einfach lossägen, die Gebrauchsanweisung sollte auf jedenfalls gelesen werden. Bevor die Sägearbeiten beginnen ist es ratsam, sich von einem Sachkundigen einweisen zu lassen. Fehler können gravierende Folgen für die eigene Gesundheit haben.

Schutzkleidung

Sägen ohne Schutzkleidung ist lebensgefährlich, nur der absolute Laie (Amateur) sägt ohne Schutzkleidung.

Zur Schutzkleidung gehören:

  • Schnittschutzhose
  • Schnittschutzhandschuhe
  • Schutzhelm mit Visier und Gehörschutz

Wann ist die beste Zeit einen Baum zu fällen?

Es spielt keine Rolle, zu welcher Jahreszeit ein Obstbaum gefällt wird. Günstig ist es das Fällen im Herbst bzw. Winter durchzuführen, es befinden sich kaum andere Pflanzen wie Stauden, Blumen oder Gemüsepflanzen im Fallbereich, da diese abgetrocknet sind. Ist der Baum frei von Blättern lassen sich die Schnittmaßnahmen einfacher durchführen.

Obstbaum fällen

Vor dem Festlegen der Fallrichtung ist die Länge und der Umfang des Kronenbereich zu beachten. Der Sicherheitsabstand sollte das doppelte bis dreifache der Baumlänge sein. Es dürfen sich keine Personen oder Tiere im Fallbereich befinden. Wird ein Baum gefällt, sollten immer zwei Personen die Arbeiten durchführen, eine Arbeitskraft übernimmt das Sägen die zweite Arbeitskraft sichert den Fallbereich, da es nicht ausgeschlossen ist, dass neugierige Personen in den Fallbereich laufen. Passiert ein Unfall kann die zweite Person Erste Hilfe leisten und bei Notwendigkeit Hilfe holen. Wird ein Zugseil angebracht sollte dieses mindestens die dreifache Länge des Baumes betragen. Das Zugseilende darf auf keinen Fall um die Hände gewickelt werden.

Fallkerbe sägen

Die Fallkerbe bestimmt die Fallrichtung und sollt einen Winkel von ca. 60 bis 80° haben. Im entsprechenden Winkel wird als erster Schnitt ca. 1/3 des Stammdurchmessers schräg, von oben nach unten eingesägt, nicht tiefer einsägen, da der Baum sonst unkontrolliert fallen kann. Der zweite Schnitt erfolgt waagerecht bis zum ersten Schnitt bis diese zusammentreffen und das gesägte Keilstück entfernen.

Sägeschnitt durch den Stamm

Der nächste Schnitt erfolgt gegenüber dem Fallkerb, dabei die Säge etwas höher als der Mitte des Fallkerb ansetzen. Der Sägeschnitt erfolgt soweit, dass etwa ein 3 cm breiter Streifen des Stammes bis zum Kerbschnitt bleibt. Danach den Fällkeil in der Mitte gegenüber der Fallkerbe in den Sägeschnitt einsetzen und eintreiben. Der Baum beginnt an seiner Fällnaht zu brechen und senkt sich über die Fallkerbe zu Boden. Beim Eintreiben ist absolute Sicherheit angesagt, beginnt der Baum zu kippen, ist es wichtig sich sofort vom Stamm zu entfernen.

Eine weitere Möglichkeit einen Baum zu fällen

Wie im Bild 1 zu sehen, ist der Stamm kurz und teilt sich schon in ca. 1 Meter Höhe in große Hauptäste an denen wiederum weitere größere Äste sich zum Kronenbereich verteilen. Alle größeren Äste liegen im Schnittbereich, um aus dem Stand mit einer Kettensäge arbeiten zu können, ohne eine Leiter. Bei diesem Wachstum des Baumes ist es einfacher die Äste gleich am Stamm abzusägen (Bild 2), auch das Entfernen von kleiner Ästen lässt sich einfacher bewältigen als wenn der Baum komplett am Boden liegt.

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Die Seitenäste von den kleineren Gehölz entfernen (Bild 3), das Holz kann zu Brennholz verarbeitet werden. Eine weitere Möglichkeit, aus dem Holz kann ein Biotop geschaffen werden, an einem ruhigen Platz im Garten einen Holzhaufen aufschichten, fertig ist das Biotop, den Rest erledigt die Natur alleine.

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Das restliche Schnittgut (Bild 4) kann kleingehäckselt und als Mulch verwendet werden. Ist ein Häckseln nicht möglich sollte es fachgerecht auf einem Wertstoffhof entsorgt werden.

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Stamm absägen

Bei kurzen Stämmen ist ein Fallkerb nicht nötig, beim Sägen kann die zweite Arbeitskraft gegen den Stamm drücken, so wird vermieden, dass sich die Kette einklemmt. Der Stamm sollte kurz über dem Boden abgesägt werden, allerdings sollte am Stamm angelagerte Erde entfernt werden, einmal zu viel in die Erde gesägt und die Kette ist stumpf. Es kommt vor, das Wurzeln aus der Erde herausragen, dünnen Wurzeln lassen sich noch leicht durchsägen, sind die Wurzeln sehr dick besteht ebenfalls die Gefahr, dass die Kette sehr schnell Stumpf wird.

Hobbykettensägen haben nicht die Standfestigkeit wie Ketten auf Profisägen, diese sind dicker und haben höhere Qualitätsstandards. Sehr preiswerte Kettensägen sollten nicht überlastet werden, da die Kette am Schwertende nur durch eine Nut umgelenkt wird. Profisägen haben einen Umlenkstern, dieser verhindert, dass die Kette und das Schwert bei hoher Beanspruchung beim Umlenken überhitzt.

Wurzeln und der Stammrest

Ist der Baum gefällt bleibt, immer noch die Wurzel und der Rest des Stammes kurz über dem Boden. Die Wurzel kann ausgegraben werden, eine sehr mühsame und kraft zehrende Arbeit. Es lässt sich ein Bagger einsetzen, hier ist abzuwägen welchen Schaden der Bagger zusätzlich anrichtet, zerfahrener Rasen, ein verdichteter Boden und viel Nacharbeit. Ist das Entfernen der Wurzeln nicht nötig, sollte der Stumpf durch einsägen mit Kerben versehen werden.

Um den Verrottungsprozess zu beschleunigen kann der Stumpf mit den Sägespänen und Laub sowie Grünschnitt (eine Art Minikomposthaufen) abgedeckt werden. Den Stumpf mit Erde abzudecken ist nicht sinnvoll, da in reiner Gartenerde kein Verrottungsprozess mehr stattfindet. In reiner Gartenerde sind keine Asseln. Hundert- und Tausendfüßer, Pilze und die nötigen Mikroorganismen vorhanden, die für einen schnellen Verrottungsprozess notwendig sind. Der Handel bietet die Chemiekeule an, um die Stammreste zu beseitigen, die bessere Lösung ist der Minikomposthaufen. Weiter kann der Stumpf abgefräst werden, divers Technik hat eine Fachfirma.

Achtung

Fällt der Baum und verändert seine Fallrichtung sollte nicht versucht werden noch Korrekturen durchzuführen, es besteht Lebensgefahr, so schnell wie möglich aus dem Fallbereich begeben. Klemmt die Säge ein oder es besteht Gefahr, dass der Baum beim fallen Schaden an Gebäuden oder anderen Pflanzen anrichtet, nicht eingreifen, den Baum fallen lassen, materiellen Schaden kann man ersetzen, die eigene Gesundheit gefährden ist nicht ratsam. Ist man sich nicht sicher, hat man keine Sachkenntnis und nicht die entsprechende Arbeitsschutzbekleidung ist es sicherer einen Fachmann zu beauftragen.

Was tun wenn, ein Baum nicht gefällt werden kann und kein Platz für das Absägen von großen Ästen ist?

Wenn bauliche Gegebenheiten oder Pflanzungen es nicht erlauben, einen Baum zu fällen oder große Äste in einem Stück abzusägen, muss der Baum in kleinen Stücken und gesicherten Ästen, die nach dem Durchsägen abgeseilt werden müssen, abgetragen werden. Erreicht man den Kronenteil nur mit einer Leiter oder muss gegebenenfalls in den Baum klettern werden ist der Einsatz einer herkömmlichen Kettensäge nicht mehr möglich.

Man kann sich nicht an der Leiter oder einem Ast festhalten und gleichzeitig mit beiden Händen eine Kettensäge halten. Auch wenn es bei kleineren Bäumen von Höhen bis 3 Meter unproblematisch scheint und der Kettensägen Nutzer denkt, es besteht keine Gefahr, kann auch ein Sturz aus drei Meter Höhe schwere gesundheitliche Schäden verursachen, geschweige was die Kettensäge anrichten kann. Ein menschliches Körperteil ist weicher als ein Ast, die Kettensäge hat damit keine Probleme. Ist es notwendig einen Baum in Stücken abzutragen, sollte eine Hand- Baumsäge benutzt werden, eine Hand zum festhalten und die andere führt die Säge. Der bessere Schritt, man sollte einen Fachmann beauftragen, dieser hat die nötige Technik und die entsprechende Ausrüstung wie Klettergurt, Sicherungsseil, Bauchgurt und entsprechende Abseiltechnik für große Äste sowie die nötige Erfahrung.

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