Sichtschutz für den Balkon selber wachsen lassen

Sei es der eigene Garten oder der Balkon – diese Orte dienen der persönlichen Erholung und als Rückzugsort, an dem man gerne ungestört ist. Während im Garten Mittel und Wege zur Verfügung stehen, sich eine Wohlfühloase ohne Einblick zu verschaffen, scheint der Balkon zum Präsentierteller verdammt zu sein. Eine großartige Möglichkeit, Privatsphäre und natürlichen Flair auf einem Balkon herzustellen, sind aber Pflanzen, mit denen man sich einen natürlichen Sichtschutz einfach selbst wachsen lassen kann.

Gastartikel

Ein Projekt auf Zeit, das sich bezahlt macht

Der eigene grüne Balkonsichtschutz ist keine Lösung für Ungeduldige. Im ersten Jahr muss jede Pflanze erst einmal „ankommen“, Wurzeln ausbilden und sich an die neue Situation anpassen. Hier gilt es, die richtigen Weichen zu setzen. Bei der Entscheidung für einen pflanzlichen Balkonsichtschutz ist die langfristige Eignung der Pflanzkübel entscheidend, denn ein Umpflanzen wird sich schwierig gestalten, wenn die Rankpflanzen erst einmal angewachsen sind und sich ausgebreitet haben.

Sichtschutz Balkon

Wer für große Pflanztöpfe keinen Platz auf dem Balkon hat oder die Geduld nicht aufbringen kann, der kann auch (supplementierend) zur künstlichen Begrünung greifen. Der Platzbedarf ist minimal, weil kein Substrat benötigt wird. Auch spielt weder die Versorgung mit Wasser, noch der Standort eine Rolle. Doch verzichtet werden muss unter anderem auf die produktiven Vorzüge von Pflanzen, die für die Balkonbegrünung eingesetzt werden können. Und diese lassen sich hervorragend mit einem selbstwachsenden Sichtschutz vereinbaren!

Bambus als Balkonsichtschutz

Welche Pflanze für den Einsatz auf dem eigenen Balkon in Frage kommt, entscheidet sich einerseits am verfügbaren Platz und natürlich auch dem Sonneneinfall. Wer nur wenig Platz hat, mag versucht sein, zu einer Bambussorte mit nur geringem Wurzelwachstum zu greifen – darf aber den buschigen Wuchs der immergrünen Pflanze nicht vergessen. Die Sorte Fargesia Rufa wird beispielsweise bis zu 220cm hoch und ist bis -26°C winterhaft – was bedeutet, dass sie auch in kälteren Gegenden Deutschlands zur Balkonbegrünung eingesetzt werden kann. Sie kann aber sehr auslandend wachsen und schränkt den wertvollen Platz auf dem Balkon somit stark ein. Hier ein schönes Beispiel für besagten Bambus als ausgefallene Hecke, bei dem der ausladende Wuchs deutlich wird. Besser geeignet sind für den Balkon aber Kletterpflanzen.

Produktive Kletterpflanzen als optimale Sichtschutzpflanzen

Kletterpflanzen haben den Vorteil, dass sich ihr Wuchs besonders gut lenken lässt. Einerseits wachsen sie in der Regel schnell, andererseits verlangen sie nach einer Rankhilfe, die dazu dienen kann, die Blätterwand sehr flach entlang der Stütze zu führen. Dadurch geht wenig Balkonplatz verloren – abgesehen vom Pflanztopf selbst, der für nachfolgende Beispiele mindestens 30 Liter Fassungsvermögen haben sollte.

Rosen Garten

Wein als Balkonpflanze und als Sichtschutz

Wer baut nicht gerne Pflanzen an, die sich mit leckerem Obst oder Gemüse für die Pflege bedanken? Das geht auch mit Sichtschutz prima Hand in Hand. Wer es sich klimatisch leisten kann, der kann zu Weinpflanzen greifen. Sorten wie Vitis „Regent“ können auch in kälteren Gegenden gepflanzt werden. Bis zu -17°Celsius gelten die Pflanzen als winterhart, danach müssen unbedingt isolierende Abdeckungen zum Schutz der Wurzeln eingesetzt werden. Für weniger sonnige Standorte ist die Sorte „Esther“ gut geeignet, deren Trauben fast kernlos sind und sehr früh reif werden.

Weintrauben

In Bonn wächst eine Rebe der Sorte Muskat auf einem Balkon in südwestlicher Ausrichtung im zweiten Balkon-Jahr nun schon mit üppigem Traubenansatz regelrecht explosiv vor sich hin. (siehe Foto) Beschnitten haben wir hier nicht nach produktivitätsgesichtspunkten, sondern nach Sichtschutz-Bedarf. Einzig die Wasserschosse haben wir ausgebrochen, da wir mit der Wuchsdichte der produktiven Triebe bereits sehr zufrieden sind. Diese Sorte braucht einen sehr sonnigen Standort, der eigentlich auch vor Wind geschützt ist. Dass unsere Pflanze allerdings bereits teils starken Winden ausgesetzt war, hat ihr bislang nicht geschadet. Die windsichere Befestigung der Rankhilfe war bei dieser freistehenden Konstruktion dafür natürlich entscheidend.

Garten mit Blumenkübel

Kiwis anpflanzen ist nicht schwer

Auch die Kiwi eignet sich als Sichtschutz hervorragend. Hier gelten ähnliche Bedingungen, die für den Wein schon erwähnt wurden: Ein möglichst sonniger Standort und ein Frostschutz aus Holzwolle oder Tannreisig im Winter sichern der Pflanze ihr Überleben. Pflanztöpfe von mindestens 30 Litern werden empfohlen. Wer wirklich auch auf Ertrag aus ist, sollte sich hier um eine männliche und weibliche Pflanze bemühen oder gleich zu einer sogenannten einhäusigen Kiwi greifen, die sowohl männliche als auch weibliche Früchte ausprägt.

Windgeschützte Lage – nicht verunsichern lassen!

Sowohl für Wein, als auch für Kiwi gilt in der Regel, dass die Pflanzen auf einen windgeschützten Standort angewiesen sind. Das haben unsere Pflanzen in der Baumschule scheinbar nicht gelernt, denn sie fühlen sich bei uns herrlich wohl – und das trotz teils orkanartigen Böen, die wir im zweiten Stock schon erlebt haben. Wir führen das auf eine enge Führung an gut befestigten Spalieren zurück, die den zierlichen Pflanzen ihre notwendige Stabilität verleihen. Also: Nicht verzagen, auch wenn kaum ein Balkon als windgeschützt gelten kann!

Hierbei handelt es sich um einen Gastartikel von Corvin Rabenstein von www.burnaut.de.

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